25 November 2009

Gedanken zum Ehrgeiz

Es gibt Leute, die behaupten doch allen Ernstes, vor allem im sportlichen Bereich, dabeisein sei alles. Es komme ihnen gar nicht auf das Resultat an. Das sportliche Kräftemessen sei doch genug Befriedigung. Dazu kann ich aus eigener Erfahrung bloss sagen – Blödsinn!!!
Dabeisein ist nicht alles, man (und vermutlich auch frau, aber da scheiden sich die Geister, wie so oft bei ihnen) will vorne mit dabei sein. Ganz vorne sogar! Wenn schon, dann gleich Erster!!!
Was mich zu dieser ziemlich radikalen Ansicht bringt? Nun, die eigene Erfahrung im Winterpokal. Ich kann von mir getrost behaupten, dass ich nicht allzu ehrgeizig bin, schon gar nicht in sportlicher Hinsicht. Ich kenne meine Grenzen mehr oder weniger und bin mir auch bewusst, dass ich als 50+-jähriger keine TdF-Etappe mehr gewinnen werde, ja, ich würde den Jungs nicht einmal während 10 Kilometern folgen können – schade eigentlich.
Das heisst … bis jetzt habe ich gemeint es sei so mit meinem Ehrgeiz. Nun aber ist wieder Winterpokal-Zeit und ich sitze auf dem ergo_bike. Da ich aber praktisch immer als Letzter dem Team hinterherhinke, in der Fachsprache heisst das, ich trage die Rote Laterne, sitze ich nicht nur einfach auf dem ergo, nein, ich sitze fast täglich drauf. Dies aber nicht nur ein paar Minuten sondern gleich eine Stunde und mehr. Ich kann es nämlich einfach nicht ertragen die Rote Laterne zu sein – so ist das! Also muss ich Punkte machen. Pro 15 Minuten ergo-bike-Training 1 Punkt für den Winterpokal.
Ich darf (und kann) gar nicht darüber nachdenken, was ich da eigentlich mache. Jeden Tag eine Stunde oder mehr auf einem Hometrainer sitzen, in die Pedalen treten wie ein Verrückter und schwitzen wie (k)ein Tier. Und das alles nur wegen dem Ehrgeiz. Was könnte ich während dieser Zeit doch alles und klugeres machen: Bücher schreiben, Erfindungen ausdüfteln, mit Spekulationen Millionen scheffeln, eine Revolution anzetteln oder die Menschheit vor dem Untergang retten. Aber nein, ich strample und schwitze und sammle Punkte. Das Allerschlimmste ist aber, dass ich mich dabei sauwohl fühle. Mein Körper fühlt sich gut an und meine Psyche macht mit jedem Pünktchen mit dem ich meinem Team wieder näher komme einen kleinen Sprung nach oben. Bin ich nun endgültig verrückt oder vielleicht im Gegenteil, auf dem Weg der Besserung? Ich weiss es noch nicht, aber eine Erkenntnis habe ich bis jetzt gewonnen:
Ehrgeiz sitzt in jedem von uns und gemischt mit einem Hometrainer und einer Rangliste kann es zu höchst unerwarteten Leistungen kommen.

24 November 2009

Der Bär ist (nicht) los!

Seit diesem Wochenende zweifle ich an meinen Fähigkeiten, einfache Pressetexte zu verstehen. Das kam so: Am letzten Samstag ist ein angeblich geistig behinderter Mann in das Bärengehege der Stadt Bern geklettert und dabei sofort von einem Bären angegriffen und schwer verletzt worden. Der Bär wiederum wurde daraufhin von einem Polizisten angeschossen.
Seither geistern hauptsächlich folgende Titel durch den Pressewald:
Finn lebensgefährlich verletzt!
Finn leidet!
Finn liegt in seinem Gehege!
Finn steht nach ruhiger Nacht auf!
Finn geht es etwas besser!
Zu Anfang habe ich nun gedacht, der Mensch, welcher in den Bärenpark gestiegen ist heisse „Finn“. Es wäre meiner Meinung nach ja irgendwie normal, wenn die Medien uns über sein Schicksal berichten – falls überhaupt. Andererseits wird ein verletzter Mann ja wohl kaum in einem „Gehege“ gehalten. Also, des Rätsels Lösung – die ganze Schweiz nimmt Teil am Leiden den BÄREN Finn. Die ganze Schweiz – ausser mir, da ich in meiner Naivität bisher geglaubt habe, ein menschliches Schicksal wiege etwas schwerer als ein tierisches.
Jetzt wo mir das ganze klar, aber keineswegs verständlich ist, wage ich die Behauptung, dass es dem Bären Finn im Bärenhimmel vielleicht wohler wäre, als an irgend einem schrägen, schlecht eingezäunten Hang in unserer Bundeshauptstadt. Am wohlsten allerdings wäre es ihm sicher in freier Wildbahn, wobei da natürlich andere Leute mit Gewehren warten, wenn er es denn wagt, die Schweizer Grenze zu überschreiten.

05 November 2009

Bill Clinton in St. Gallen


...Clinton werde in einer Limousine mit verspiegelten Scheiben anreisen, hatte es im Vorfeld geheissen. Der Wagen sei rasant unterwegs. «Der Fahrer hält auch nicht an, wenn jemand im Weg steht», hatte einer der Sicherheitsbeamten gewarnt. Das Fahrzeug wiege acht bis neun Tonnen...
(Quelle: Tagblatt, 5.11.09)


Wie bitte??? ...der Fahrer hält auch nicht an, wenn jemand im Weg steht...
Ist das eine Drohung oder was? Und wenn es zufällig ein Kind ist, das die "Wichtigkeit" von Bill Clinton noch nicht kennt, oder eine alte Dame die den Radau einfach nicht mitbekommen hat? Das Ganze tönt ein wenig nach "licence to kill". Wer kommt auf solche Ideen, James Bond?
Soviel ich weiss steht in der UNO-Menschenrechtskonvention unter Artikel 7 "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich..." Meiner Meinung nach gilt dies auch für Mr. Clinton oder den Fahrer der "acht bis neun Tonnen schweren" Limousine oder bin ich einfach etwas naiv? Sie gilt aber auch für den sensationsgeilen Berichterstatter, der solche Meldungen in die Welt setzt - egal aus welcher Ecke er stammt.
Irgendwie passt diese Brutalität zum Anlass des Besuchs von Mister Clinton - der Eröffnung des "Center for Disability and Integration". Es ist ja allgemein bekannt, dass ausgerechnet auf den Strassen sehr viel "Disability" produziert wird.
Wer immer solches Tun veranlasst: Schämdi!!!

Dies, und die unselig missglückte Plakataktion

(Quelle: Tagblatt, 5.11.09)

des Bundesamtes für Sozialversicherungen am selben Tag ist etwas zuviel des "Guten" zum Thema Behinderung!

27 Oktober 2009

Winterpokal


Ab Montag 2.11. gehts wieder los und zwar hier:

winterpokal

Die Verbindung zum Computer klappt, das ergo_bike ist poliert, die Pedalen sind geölt und die Beine massiert!

24 September 2009

Die Angst des Bikers vor der Mauer

Als „Mauer“ oder auch „Wand“ wird im Biker-Jargon oft ein sehr steiles Stück einer Radstrecke bezeichnet. Manchmal hört man auch den Begriff der „Rampe“. Darunter sind jedoch eher kurze „ruppige“ (auch so ein Biker-Ausdruck) Anstiege gefolgt von Flachstücken zu verstehen. Eine Mauer/Wand hingegen türmt sich erbarmungslos vor dem Biker auf. Man kann den Kopf so weit in den Nacken legen wie man will, man sieht lediglich einen Streifen Asphalt der scheinbar fast zum Himmel reicht. Die berühmteste dieser Mauern ist wohl die Muur van Geraardsbergen
(Foto: Quelle Wikipedia)

Natürlich hängt der Schrecken, welcher eine Mauer verbreitet sehr stark von der Steilheit, der Kraft, dem Gewicht (inkl. Bike!), der Übersetzung, dem Mut und vielen anderen Faktoren des jeweiligen Fahrers ab. Bei mir steht die Grenze so etwa bei 20% Steigung. Ich weiss, das ist ein wenig „Susi“ denn ich habe schon TdF, Giro oder Vuelta Etappen gesehen mit stärkeren Steigungen bei Rennradübersetzungen. Aber eben – ich bin „Susi“ nicht Profi! Übrigens das Tessin und der Jura bieten ab und zu ganz üble Rampen und Wände. Vor kurzem bin ich an eine solche Mauer geraten. Vom Appenzeller Dorf Teufen (mittlerweile hässlich überbaut und überbevölkert) zur Schäflisegg (leider keine Beiz mehr). 24% Steigung während etwa 200 Metern! Genau hier:
(Foto: Quelle A. Vogel AG)

Da ist es wieder passiert, ich musste für die letzten 10 Meter absteigen. Wenigstens musste ich nicht umdrehen wie anno dazumal in Richtung Seealpsee (fast ein wenig ein Trauma) sondern konnte das letzte Stück mit Schieben überwinden. Trotzdem, das Schieben eines Mountainbikes hinterlässt immer Narben in der Bikerseele, so was kann man nicht auf sich sitzen lassen. Mein Programm für das Wintertraining auf dem Ergo-Bike steht also fest: Kraft, Kraft, Kraft. Ich werde mich erst zufrieden geben, wenn der Oberschenkelumfang etwa dem der Hüften entspricht – oder mindestens fast. Die Aussichten, auch im Winter ein paar Mauern zu erklimmen stehen übrigens sehr gut. Der Obertüftler/Programmierer im Ergo-Bike-Forum hat da offenbar ein hammermässiges Programm in der Pipeline mit welchem die Mauern rund um den eigenen Wohnort trainiert werden können.
Also – der Winter kann kommen!

15 September 2009

Cisalpino - Bahnfahren wie vor 50 Jahren?!?

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit mit dem Cisalpino von Zürich nach Mailand und zurück zu fahren. Um das Verdikt gleich vorweg zu nehmen, der Zug ist Sch…, naja, er nervt!
Schon beim ersten Anblick erinnert die ganze Komposition an die Bahnbauweise etwa der 50er Jahre. Er ähnelt sehr dem Nachtschnellzug „Pablo Casals“ der einem von Zürich nach Barcelona schaukelt. Diesen hatte noch Spaniens General Franco bauen lassen damit seine reichen Spiessgesellen zum Skifahren in die Schweiz fahren konnten. Der Generalissimo ist zum Glück schon seit langem tot, seine Vorstellung von Eisenbahnen lebt aber offenbar bei den SBB weiter.

Steigt man in den Cisalpino bemerkt man zuerst einmal die viel zu kleinen Fenster. Schade, denn man fährt ja bekanntlich über den Gotthard, eine der schönsten Bahnstrecken der Welt. Wobei dieses Argument so in etwa fünf bis zehn Jahren (ich bin da vorsichtig) auch nicht mehr zählt, denn dann sieht man nur noch Loch – die NEAT – gleich nochmals schade!
Das Verstauen eines normalen Reisekoffers ist eine wahre Kunst denn die Gepäckablage eignet sich gerade etwa für Flugzeug-Bordgepäck.
Auch normalgewichtige Reisende können sich nur mit Hochklappen des Tischchens (wie das geht ist eine Entdeckung für sich) oder der Armlehne in die engen Sitze quetschen.
Vor mitgebrachter Reiseverpflegung sei gewarnt denn die Möglichkeiten allfälligen Abfall zu verstauen sind sehr beschränkt (wenn sich der Behälterdeckel denn überhaupt öffnen lässt). Dafür gibt es aber zum Glück eine Minibar welche durch den Zug geschoben wird – aber nur sofern die Abteiltüre nicht klemmt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass auf der Gotthardroute die Zugbegleiter in der ersten Klasse ein Essen servieren sollen. Bei meiner Fahrt war dies jedenfalls nicht so. Vielleicht hat man meinen Ärger über den Cisalpino gesehen und sich irgendwo verkrochen.
Das grösste Ungemach beim Cisalpino bieten jedoch die Toiletten. Eine absolute Schmuddeleinrichtung! Bei der Hinfahrt tröpfelte das Wasser beim Waschbecken lediglich, was aber offenbar noch viel ist, denn bei der Rückfahrt gabs überhaupt kein Wasser. Sehr angenehm in Zeiten der Schweinegrippe wo einem das oftmalige Händewaschen doch so nahe gelegt wird. Vielleicht müsste man einmal die Herren vom Bundesamt für Gesundheit zu einer Cisalpinofahrt verdonnern. Bei Wassermangel wechselt aber der gewiefte Zugfahrer einfach kurz den Wagen, was ich auch tat. Dort funktionierte das Waschbecken perfekt, dafür war keine Seife vorhanden.
Der Zug hat auch einen Speisewagen – mit EINEM Kellner. Wer also an der Stehbar lediglich einen Kaffee bestellen will muss sich in Geduld üben – in viel Geduld!

Ein Gutes kann ich aber über meine Fahrt berichten, wir kamen an, und das sogar pünktlich, was ja auch nicht selbstverständlich ist.

Eine Fahrt mit dem Cisalpino ist also überhaupt kein Vergnügen sondern schon fast ein bisschen gruusig – wäh!! Es ist zu hoffen, dass die SBB-Verantwortlichen gelegentlich mal einen Blick in einen modernen ICE-Zug zum Beispiel der Deutschen Bahn werfen. DAS ist Bahnfahren im dritten Jahrtausend.

26 August 2009

Chinesische Weisheit

Ich denke, gute Geschichten darf man auch mal einfach kopieren und weiterverbreiten. Diese stammt ursprünglich aus dem Lehrbuch „Chinesisch für Deutsche“ und kopiert habe ich sie aus dem Blog „Chinesisch lernen“ (wurde leider eingestellt).

Traditionell
四歲的小花告訴父親:「伯父給我糖了。
父親笑了一笑,問小花說了謝謝沒有。
忘了。
那麼你馬上去說!
小花去找伯父,很快就回來了。
說了嗎?
父親問。
說了,可是沒有用。
為什麼沒用?
伯父說:不用謝!

Vereinfacht
四岁的小花告诉父亲:伯父给我糖了
父亲笑了一笑,问小花说了谢谢没有
忘了
那么你马上去说!
小花去找伯父,很快就回来了
说了吗?
父亲问
说了,可是没有用
为什么没用?
伯父说:不用谢!

Hanyu Pinyin
Sì suì de xiǎo Huā gàosu fùqin: "Bófù gěi wǒ táng le."
Fùqin xiào le yī xiào, wèn xiǎo Huā shuō le xièxie méiyǒu.
"Wàngle."
"Nàme nǐ mǎshàng qù shuō!"
Xiǎo Huā qù zhǎo bófù, hěn kuài jiù huílai le.
"Shuō le ma?" fùqin wèn.
"Shuō le, kěshì méiyǒu yòng."
"Wèishénme méiyòng?"
"Bófù shuō: Bùyòng xiè!"

English
Four-year-old Hua told the father: “Uncle gave me sweets.”
The father smiled, asked whether little Hua said thank you.
“I forgot.”
“You immediately go and say!”
Little Hua looked for the uncle, and quickly came back.
“Did you say?” father asked.
“I said, but it was needless.”
“Why needless?”
“Uncle said: No need to thank!”

Deutsch
Die vierjährige Hua erzählte dem Vater: “Onkel hat mir Süßigkeiten gegeben.”
Der Vater lächelte, und fragte, ob Hua sich bedankt hat.
“Habe ich vergessen.”
“Du gehst sofort und bedankst dich!”
Hua suchte den Onkel und kam schnell zurück.
“Hast du's gesagt?” fragte der Vater.
“Ja, aber es war unnötig.”
“Warum unnötig?”
“Onkel sagte: Nichts zu danken!”