Was man zuerst gar nicht richtig für wahr hielt, scheint sich langsam in den Köpfen festzusetzen und findet auch seinen Platz in den Kommentaren der lokalen Medien. Die geplante „Grossbibliothek“ in St. Gallen ist sozusagen weg vom Fenster. Mit einem Federstrich von der Kantonsregierung gebodigt. Dem Sparen zum Opfer gefallen (wenn diese Übung denn überhaupt als Sparen bezeichnet werden kann). Hätte man im Mittelalter so gehandelt, hätten wir jetzt kein Weltkulturerbe in Form der Pfalz mit der Stiftsbibliothek.
Nebenbei, mich würde interessieren, wie solche Entscheide in der Regierung vonstatten gehen. Wird über die Konsequenzen nachgedacht? Kommt vielleicht sogar auch etwas Bedauern auf? Ich wage zu zweifeln, denn wenn es nur um Zahlen geht, bleiben die Gefühle oft auf der Strecke.
Und wo ist denn das Geld, welches plötzlich fehlt? Noch vor Kurzem hat man laut über Steuersenkungen nachgedacht und den Kanton als finanziellen Musterknaben bezeichnet.
Aber zurück zur Bibliothek. Sowohl die Vadiana als auch die Freihandbibliothek platzen aus allen Nähten. Eine Lösung des Platzproblems tut Not und zwar dringend. Zu lange hat man die Suche nach Alternativen vor sich her geschoben denn Platzmangel herrscht schon seit Jahren in beiden Institutionen. Hochfliegend waren dann die Pläne, man sprach gar von der „Buchstadt“ St. Gallen. Dieses Buch-Kartenhaus ist nun zusammengefallen.
Genug lamentiert! Jetzt muss in die Zukunft geschaut werden, wobei ein gewisser Groll der Kantonsregierung gegenüber bleibt.
Die Grossbibliothek dürfte gestorben sein, also muss auf zwei Schienen weiter gefahren werden. Mit dem Kauf des Hauptpostgebäudes wurden ja schon gewisse Tatsachen geschaffen. (Übrigens kam mir das auch wie eine Nacht- und Nebelaktion vor.) Ich war und bin zwar ein bekennender Gegner der Hauptpost als Volksbibliothek. Das Gebäude ist abweisend und erinnert mehr an einen Bunker als an ein offenes Haus für weite Kreise der Bevölkerung. Eine Bibliothek braucht viel Licht und keine dicken Mauern mit vergitterten Fenstern, sie soll einladend sein. Als Standort für die Vadiana könnte man aber mit der Hauptpost leben. Sie würde aber ihr Schattendasein darin einfach weiter fristen, nur mit mehr Raum.
Die Freihandbibliothek jedoch gehört ans Licht. Dort gehen Leute aller Altersklassen und Schichten ein und aus. Man soll gern hinein gehen und ebenso gern darin verweilen. Und sie gehört ins Zentrum, zu Fuss erreichbar denn auch Kinder sind ein grosses Kundensegment. In ihr sollen alle Arten von Medien, auch zukünftige, greifbar sein. Und nein, auch im Zeitalter von Multimedia, iPad und E-book stirbt die Bibliothek nicht. Das beweist, dass zum Beispiel die ETH in Lausanne soeben eine fantastische Bibliothek verwirklicht hat.
Die Freihand muss aber auch Platz bieten für Begegnungen und Veranstaltungen. Eine moderne Bibliothek ist ein Multifunktionshaus.
Aber wo wäre der Platz für so ein Haus? Meiner Meinung nach nur an einem neuen Standort. St. Katharinen ist zwar ein sehr schönes Gebäude aber es ist ein Kloster, keine Bibliothek. Eine moderne Bibliothek sollte als solche gebaut werden. Wo das aber sein könnte weiss ich im Moment auch nicht. Ich muss es aber auch nicht wissen denn dafür sind andere Stellen in der Stadtregierung und der Bibliotheksverwaltung zuständig. Ich muss dann einfach meinen Beitrag in Form von Steuern und dem Mitgliederbeitrag leisten.
Den Planern der neuen Freihand- (besser wäre Stadtbibliothek) kann ich nur sagen, vergesst vorderhand den Kanton. Ihm scheinen zurzeit Strassenbauprojekte wichtiger zu sein als Volksbildung. Plant und verwirklich alleine eine grosszügige, einladende Stadtbibliothek und vor allem, plant zügig. Die Zeit drängt. Der Bestand der Freihandbibliothek wächst schnell und mit ihm die Besucherzahlen. Beides beweist, dass St. Gallen vielleicht nicht gerade eine „Buchstadt“ sein will aber zumindest eine Stadt in der gerne und viel gelesen wird.
Breaking news!
Die Ereignisse zur Bibliotheksproblematik in St. Gallen überschlagen sich ja geradezu. In der neuesten Ausgabe des Tagblatts werden mögliche Standorte zur Freihandbibliothek aufgelistet. Das ist an sich begrüssenswert. Wenn aber die Auflistung praktisch nur aus Alternativen besteht, welche im selben Artikel als nicht machbar bezeichnet werden, lässt sie doch sehr zu wünschen übrig.
Aber zumindest hat man die Hausaufgaben durchgelesen. Und ein Standort, das Dreieck zwischen Bushaltestelle und St. Leonhardstrasse beim VBSG-Würfel, scheint mir doch sehr vielversprechend für einen Neubau.



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