Nun gut, das wären Details, wenn nicht die Reise selber wäre – die ist im Cisalpino nämlich schlichtweg eine Zumutung! Was habe ich da nicht schon alles erlebt in den vier Jahren: Dass alle, in vernünftiger Marschdistanz erreichbaren Toiletten offen waren gab es nie. War dann eine Toilette benützbar, dann war sie schlichtweg saudreckig und das schon nach der Abfahrt. Einen verklebten, feuchten Toilettenboden kenne ich aus der Dritten Welt und kann mich dort damit abfinden, hier aber nicht.
Naja, man kann ja versuchen den Toilettenbesuch einigermassen zu reduzieren. Vielleicht aber kommt während der Fahrt auch etwas Hunger oder Durst auf, dann hat man im Cisalpino ebenfalls schlechte Karten denn auf den insgesamt 8 Fahrten hat nur ein Mal die Bedienung im Bistrowagen und „Wägelimaa“ geklappt. Sonst war entweder beides nicht vorhanden oder das eine oder andere. Freundlich war dabei gar niemand und die Getränke meist lauwarm, dabei hätte man Kühlung so nötig gehabt, denn die Klimaanlage hat auf allen Fahrten nie perfekt funktioniert. Also liebe Cisalpino-Passagiere, nehmt euer Futter sicherheitshalber besser selber mit – am besten in einer Kühlbox.
Also wieder ein Problem, das man vielleicht noch irgendwie verkraften kann. Trauriger wird’s mit den Fahrzeiten. Auf den 8 Hin- und Rückfahrten musste ich zweimal in Mailand einen olympiareifen Spurt hinlegen, um den Anschluss nicht zu verpassen und einmal habe ich ihn ganz verpasst. Auf einer Rückfahrt wurden alle Passagiere am Bahnhof Arth Goldau von einem Gleisarbeiter im roten Arbeitsanzug aus dem Zug gescheucht „Sie müssen hier aussteigen, der Zug fährt nicht weiter!“ Das Zugteam war zu jenem Zeitpunkt verschwunden wie zur Zeit Gaddafi. Auf der diesjährigen Rückfahrt nun, stand in Mailand nicht einmal mehr ein Cisalpino sondern ein paar italienische Carrozze mit denen vermutlich schon Mussolini seine Soldaten transportiert hat. Aber immerhin kein Cisalpino! Dass der auf dem Billet aufgeführte Erstklasswagen Nr. 3 nicht vorhanden war gehörte natürlich dazu. Und wären die Passagiere im einzig vorhandenen Erstklasswagen Tiere gewesen, wäre der WWF wegen Tierquälerei eingeschritten – komplett überfüllt. Dass wir alle in Chiasso wieder umsteigen müssen, haben wir auch nur durch Zufall erfahren.
Ok, man mag mich kleinlich schimpfen, dass ich all diese Details moniere, derart gehäuft und ohne jedes Anzeichen von Verbesserung in den letzten vier Jahren (die Situation hat sich nach meiner Erfahrung sogar verschlechtert) wird die Reise mit den Cisalpino von und nach Mailand einfach eine Zumutung. Wo meine Toleranz aber endgültig endet ist das hier:
Es handelt sich um eine mit Klebeband reparierte Flickstelle der Verschalung beim Wagenfenster. Wenn für alle Passagiere sichtbare „Reparaturen“ schon so vorgenommen werden, wie sieht es dann wohl an den Punkten aus, die nicht so gut einsehbar sind.
Der Cisalpino ist also nicht nur eine Belastung für die Nerven und eine Gefahr für die Gesundheit sondern auch einfach ein Sicherheitsrisiko.
Liebe SBB – so nicht!



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